> Hat der Ausbau der Bioökonomie Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion?

 

> Finde ich biobasierte Produkt bereits in meinem Alltag? Inwiefern unterscheiden sie sich von herkömmlichen Produkten?

 

> Welchen Mehrwert bietet mir die Bioökonomie als Verbraucher?

 

> Hat Bioökonomie etwas mit biologischem Anbau zu tun?

 

 

 

____________________________________________________________________________________

Hat der Ausbau der Bioökonomie Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion?

Die Nahrungsmittelproduktion stellt einen festen Bestandteil der Bioökonomie dar. Sie hat grundsätzlich Vorrang vor der stofflichen und energetischen Verwertung von biogenen Rohstoffen. Biogene Rohstoffe aus der Land- und Forstwirtschaft, die nicht als Nahrungs- oder Futtermittel verwendet werden, werden als nachwachsende Rohstoffe bezeichnet. Ihre Geschichte reicht weit zurück: Seit jeher stellen Menschen neben Nahrungsmitteln auch Materialien für den täglichen Bedarf aus biogenen Rohstoffen her. Dazu gehören Brenn- und Schmierstoffe aus pflanzlichen Ölen, Arzneimittel aus Heilpflanzen, Textilien aus Pflanzenfasern sowie Holz als Baumaterial und Energieträger.

Durch enorme Produktivitätssteigerungen in der landwirtschaftlichen Produktion konnte die für die Nahrungsmittelversorgung benötigte Fläche in der Vergangenheit deutlich reduziert werden. Auf nicht weiter benötigten Flächen werden heute auch nachwachsende Rohstoffe speziell für die stoffliche und energetische Verwertung produziert. In einer zukunftsfähigen Bioökonomie müssen die Auswirkungen ihrer Produktion und Verwertung im Kontext der regionalen und globalen Ökosysteme betrachtet werden. Nur wenn die Produktion und Nutzung nachwachsender Rohstoffe stabilisierend auf diese Systeme wirken, ihren Erhalt garantieren und keine Konkurrenzen mit der Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung ergeben, kann die Bioökonomie als nachhaltig gelten. Unter dieser Prämisse müssen nachwachsende Rohstoffe nach dem Vorbild der Kreislaufwirtschaft intelligent genutzt werden, zum Beispiel durch Nutzungskaskaden. Auch durch die Verwertung von Rest- und Abfallstoffen (auch aus der Ernährungswirtschaft) sowie die möglichst vollständige Nutzung der eingesetzten Ressourcen lassen sich mögliche Nutzungskonkurrenzen vermeiden.

Durch ihre ganzheitliche Betrachtungsweise schafft die Bioökonomie Kooperationen zwischen Akteuren unterschiedlicher Wertschöpfungsketten und etabliert so innovative Nutzungspfade. So können zum Beispiel Dörfer und Siedlungen im ländlichen Bereich anfallende Rest- und Abfallstoffe aus der Forst- und Landwirtschaft zur Erzeugung von Strom und Wärme nutzen. Gleichzeitig werden neue technische Verfahren entwickelt, die bisher nicht oder unvollständig genutzte Rohstoffe umwandeln, zum Beispiel durch die Produktion von Biokraftstoffen aus organischen Rest- und Abfallstoffen.

> zum Seitenanfang

 

 

 

 

 

____________________________________________________________________________________ 

Finde ich Produkte der Bioökonomie bereits in meinem Alltag? Inwiefern unterscheiden sie sich von herkömmlichen Produkten?

Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe ist keine neue Idee. Seit vielen Generationen werden sie zum Beispiel zur Herstellung von Textilien, als Baumaterial oder Energiequelle verwendet. Durch neue Technologien und innovative Anwendungen konnten mit der Zeit weitere Nutzungssmöglichkeiten für nachwachsende Rohstoffe erschlossen werden.

So ermöglichten zum Beispiel Fortschritte in der Molekularbiologie in den 1980er-Jahren den verstärkten Einsatz nachwachsender Rohstoffe in der Medikamentenproduktion. Bereits im 19. Jahrhundert suchten Forscher nach Möglichkeiten, Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Weizen, Soja, Zellulose oder Casein herzustellen. Durch die umfassende Nutzung von Erdöl blieben sie allerdings relativ bedeutungslos. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts gewinnt ihre Entwicklung wieder stark an Bedeutung. Viele Biokunststoffe haben längst die Marktreife erreicht und werden in verschiedenen Anwendungsbereichen verarbeitet. So werden von Getränkeflaschen, über Einwegbesteck bis zum Kinderspielzeug verschiedenste Produkte angeboten, in denen fossile Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt wurden. Die Verwendung von pflanzlichen Rohstoffen bei der Herstellung von Kosmetik-, Wasch-, und Reinigungsmitteln ist altbewährt.

In vielen Fällen können Produkte durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe entscheidend verbessert werden. So schätzen Automobilhersteller die besonderen Leichtbaueigenschaften von naturfaserverstärkten Kunststoffen, zum Beispiel für die Herstellung von Türverkleidungen oder Hutablagen. Biobasierte Schmierstoffe, die unter anderem auf Basis heimischen Rapsöls hergestellt werden, sind oftmals biologisch abbaubar und dadurch für den Einsatz in ökologisch sensiblen Gebieten geeignet. Die Gefahr von Umweltschäden durch austretende Schmiermittel, zum Beispiel in der Forst- und Landwirtschaft oder bei Windkraftanlagen auf dem Meer, kann durch sie maßgeblich reduziert werden.

> zum Seitenanfang

 

 

 

 

____________________________________________________________________________________ 

Welchen Mehrwert bietet mir die Bioökonomie als Verbraucher?

Die Bioökonomie bietet die Chance für eine grundlegende Veränderung der Wirtschaftssysteme. Durch das Verstehen und Nutzen natürlicher Prozesse und Rohstoffe sollen neue innovative Verfahren und Produkte entwickelt sowie die Qualität von bereits bestehenden Produkten verbessert werden. So wird in der Bioökonomie angestrebt, die ökonomischen Ziele unter den Bedingungen der gerechten Verteilung sowie der nachhaltigen Produktion und vollständigen Verwertung der genutzten Ressourcen zu verfolgen. Auf diese Weise ermöglicht die Bioökonomie nachhaltiges Wirtschaftswachstum und leistet gleichzeitig einen Beitrag zur Lösung aktueller und zukünftiger globaler Herausforderungen, zum Beispiel im Bereich des Klima- und Naturschutzes sowie der Ernährungssicherung. Das bietet auch Vorteile für den einzelnen Verbraucher: Die Bioökonomie bietet verbesserte oder neue Produkte als nachhaltige Alternativen zu konventionellen Produkten an und erschließt neue Anwendungsbereiche für nachwachsende Rohstoffe.

Durch die zunehmende Substitution fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Rohstoffe wir die Abhängigkeit der Gesellschaft von dieser endlichen Ressource und ihren starken Preisschwankungen reduziert. Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in geschlossenen Stoffkreisläufen stellt zudem die effiziente und nachhaltige Verwertung der Ressourcen sicher. Durch einen weiteren Ausbau der Bioökonomie wird auch die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Bayerns gestärkt. Zusätzliche Wertschöpfung durch neue oder vernetzte Wertschöpfungsketten stärkt insbesondere die regionale wirtschaftliche Entwicklung und den Erhalt von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum.

> zum Seitenanfang

 

 

 

 

____________________________________________________________________________________ 

Hat Bioökonomie etwas mit biologischem Anbau zu tun?

Die Bioökonomie basiert auf dem Verstehen natürlicher Prozesse sowie der Nutzung biogener Rohstoffe (Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen). Es geht also um die Ressourcengrundlage, die im Fall der Bioökonomie auf nachwachsenden, biogenen Rohstoffen beruht. Im Gegensatz dazu weist die Vorsilbe „Bio“ im Zusammenhang mit Lebensmitteln auf eine möglichst naturverträgliche Form der landwirtschaftlichen Erzeugung und Verarbeitung dieser Lebensmittel hin, unter anderem mit strengen Vorgaben im Bereich des Pflanzenschutzes und der Haltung von Nutztieren. Wie die konventionelle Landwirtschaft ist auch die Biolandwirtschaft ein wichtiger Lieferant biogener Rohstoffe und damit Bestandteil der Bioökonomie. Dabei stammen die Rohstoffe für die Bioökonomie jedoch nicht zwangsläufig aus der ökologischen Landwirtschaft.

> zum Seitenanfang

 

Der Sachverständigenrat

Der Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern wurde 2015 durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einberufen. Als unabhängiges Beratungsgremium erarbeitet er Empfehlungen und gibt Impulse für die Entwicklung einer bayerischen Bioökonomiestrategie.

Den Rat kennenlernen

Die Bioökonomie

Die Bioökonomie beschreibt die Transformation zu einer nachhaltigen, biobasierten Wirtschaftsweise. Sie basiert auf dem Wissen über biologische Prozesse und der Nutzung dieses Wissens für die Entwicklung von Technologien und innovativen Produkten.

Bioökonomie kennenlernen